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Fotos: DaimlerAG

Eine ebenso elegante Erscheinung....

Eine ebenso elegante Erscheinung....

Wolfs Liste

3 beste Mercedes

gleich vorweg: die Wahl viel mir sehr schwer, drum kann ich wiederum nicht nur einen, sondern muß zumindest die 3 für mich besten Benze anführen, obwohl der 6,9er auch noch auf die Liste gehören würde...

 

Warnung: Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung und nicht die des Clubs oder dessen Vorstands wieder und ist außerdem hauptsächlich zur Unterhaltung gedacht, bzw. soll animieren, eine eigene, ähnliche Liste zu erstellen! 

 

"Gehen wir nun in medias res", wie Volkswirtschafts-Professor Streißler seine Vorlesungen mit schneidender Stimme zu beginnen pflegte. Trommelwirbel: ich eröffne meine Liste mit der Bekanntgabe des drittplatzierten Autos:


 

DRITTER PLATZ: der Mercedes 600.

 

Das 1964 bis 1981 in Handarbeit hergestellte, endgültige "beste Auto" der Welt. Auf der Suche nach Inspiration zu diesem werksintern W 100 genannten Wagen, blätterte ich ein Heft zum 100-jährigen Bestehen der Marke Mercedes durch und stieß auf das Werksfoto eines weißen 600, der ernsthaft einen 8 m 70 langen Wohnanhänger inklusive Dachterrasse am Haken hat.

 

 

So wäre der Besuch eines Campingplatzes in den klassenkämpferischen 60ern wahrscheinlich unharmonisch verlaufen, aber ich denke, dass dieses Foto in Wahrheit nur ein Indiz für die All-Time-Best-Eigenschaft des 600 sein soll. Und das gilt natürlich nicht nur für die Zukunft, sondern hat auch in der Vergangenheit seine unverrückbare Gültigkeit, bitte lassen Sie mich das näher ausführen:

 

Dieses Gespann wäre zum Beispiel Kaiser Karls des Großen einzig denkmögliche Motorisierung. Wie wir aus dem Geschichtsunterricht wissen, hatte Karl der Große keine fixe Residenzstadt, sondern war mitsamt der ganzen Mischpoche pausenlos "auf der Walz" zwischen Königskrönung in Aachen und Kaiserkrönung in Rom und tingelete so durch "sein" Land, überall seine Spuren hinterlassend.

 

Übrigens, da fällt mir folgende Episode ein: Karl der Große war ja ein passionierter Jäger und nach einer langen und erfolgreichen Jagd gab es das übliche Gelage. Nachdem alle satt waren, tauchte ein kleines altes Manderl auf und fragte ganz leise und erfurchtsvoll: "Majestät, i tät hoit goa schee um die Bana bitt'n!" Karl der Große überließ sie dem Bedürftigen und diktierte dem Schreiber: "Zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis wollen wir diesen schönen Ort hier 'Barnabitengasse'  nennen....... (für Nichtwiener: uraltes Gässchen im 6. Bezirk)

 

Schon wieder schreibe ich vom Thema ab....., der 600 auf dem Foto sieht übrigens dem weißen Pullmann von John Lennon zum Verwechseln ähnlich. Die Tatsache, daß auch er einen 600 hatte, relativiert den bitter-schalen Beigeschmack, der mich angesichts der unsympathischen Herrschaften befällt, die den 600 üblicherweise besaßen - im doppelten Sinn des Wortes. Trotzdem schafft es der 600 nur auf Platz 3 meiner persönlichen Mercedes-Bestenliste, obwohl das Auto perfekt ist, aber ich brauche noch zwei weitere Treppchen.

 

Die Perfektion und Faszination des 600 belegen auch die vielen Maybach-Neuwagenkunden, die sich die Wartezeit mit einem 600 (W 100) verkürzen. Ich sage diesen Menschen schwere innere Zerissenheit voraus, sollten sie dann zwischen dem 600 und seinem "Quasi-Nachfolger" entscheiden müssen, etwa, weil die Garage zu klein ist - für mich wär's allerdings klar.... siehe oben.

 

 

ZWEITER PLATZ: Mercedes-Benz C 111 II, 1970.

 

Gut, das ist weder ein Oldtimer, noch ein Klassiker im engeren Sinn, denn es fehlt schlicht und ergreifend an der Serienproduktion.

 

Doch wen kümmert's, als Kind war der C 111 mein Joker auf der Carrera-Bahn und daher real existent, wie alle anderen Mercedesse auch, die ich damals schmerzlicherweise nicht fahren durfte. Alleine deshalb hat dieses Modell zumindest den zweiten Platz verdient. Außerdem ist das ein schreckliches erzählenswertes Schicksal - ein besseres Wort fällt mir nicht ein - das Beachtung verdient: übel wurde dem C 111 mitgespielt, denn der serienreife Sportwagen wurde im Nachhinein, sozusagen als Beleg für die angeblich reinen Forschungszwecke der Entwicklung, zu einem reinen Versuchsträger degradiert und letztendlich mit peinlichen Haifischflossen entstellt.

 

 

Das war 1977, ich glaube, dass dadurch die vergeblichen Serien-Entwicklungskosten nachträglich auf ein anderes Konto verbucht werden konnten und so peinliche Fragen nach der Entscheidungsfreudigkeit des Vorstandes in der Aktionärsversammlung vermieden wurden.

 

Stell Dir das so vor: Skirennen. Der Hermann Maier, oder der Stefan Eberharter im Starterhäusl. Es piepsen die Sekunden runter, das Publikum ist gespannt und der Heinz Prüller wärmt schon seine Stimme auf. Und dann kommt der Ostbahn-Kurti (in Pension) dahergeschlendert und sagt: "Kummt´s, wir gehn' jetzt fischen!" Alle folgen brav und aus. So kommt mir das vor.

 

Aber nun der Reihe nach: Anfang der 60er kauft die Daimler-Benz AG eine Wankel-Motor-Lizenz für Triebwerke ab 50 PS und steckte die daraufhin entwickelten 3-Scheiben-Wankelmotore ab 1969 in diese zunächst W 101 genannten Fahrzeuge - sozusagen die Prototypen zum Prototyp.

 

Hätten die in der Schule aufgepasst, wäre ihnen aufgefallen, dass auch Porsche von Peugeot der Nuller in 901 verboten wurde und so musste der Wagen halt satt W 101 oder W 111 eben C 111 heißen. (Dass BMW's 507 trotzdem so heißen durfte ist eigentlich unfair).  Im März 1970 wurde in Genf dann der C 111 II mit einem 4-Scheiben- Wankelmotor mit einem Hubraum-Äquivalent von 4,8 Liter und 350 PS vorgestellt - das Auto das leider nie gebaut wurde. Später bekam der Wagen einen Turbo-Diesel mit 290 PS eingebaut, und lieferte damit sicher wichtige Erkenntnisse auch in diesem Bereich.

 

 

Aber warum hat da keiner einfach den legendär zuverlässigen 450er-Motor reingetan? Bei 1.300 kg Leergewicht hätten sicher neben einem Verbrauch von unter 14 Liter auf 100 km 260 PS, 5 sec auf 100, Vmax 270 realisiert werden können. Ich glaube nicht, dass ein M1 das besser kann - so eine Blamage, wirklich!

 

Ein weiterer (offizieller) Grund für die Einstellung des Projektes einer C 111-Serie war, dass die Ölscheichs Anfang der 70er die ach so segensreichen Gesetze der freien Marktwirtschaft entdeckten. So wurde der C 111 aus den Startlöchern ohne Umwege ins Depot des Museums geschoben - siehe Skirennen. AAAARRRGH! Ich glaub ja eher, dass die Herrschaften der Mut verlassen hat, aber das könnten wir doch den Waxenberger fragen, wenn er uns demnächst wieder über den Weg läuft, wär' mir ein Anliegen.

 

Jetzt aber ernsthaft: Wir haben ja mittlerweile sehr gute Kontakte in Stuttgart, daher sollten wir uns trauen und anregen, dass die den C 111 einfach doch bauen! Ford hat ja den GT 40 auch für ein paar Freaks neu aufgelegt. Bitte das wär' doch was und eigentlich müsste ja jetzt wieder Geld da sein, rein rechnerisch.

 

Lasst uns daher hoffen, den Gesetzen der freien (Öl)-Marktwirtschaft noch länger entgehen zu können, sonst bleibt uns wirklich nur mehr imaginäre Ausfahrten zu machen und schaurige Verschwörungstheorien - siehe oben - zu entwerfen.

 

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