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Jellinek -  Das Fräulein vomAmt oder das 6150

Wenn ich so denk' und lenk' grad nix

Lieber Freund,



S’ ist schon ziemlich blöd‘, wenn das Owners’ Manual für das neue 6150-Handy dicker ist, als das Werkstatthandbuch für die gesamte Heckflossen-Mercedes-Baureihe.
 

 

 

Stell Dir vor, der achtjährige „Gsteaml“, der beim Bosch-Dienst Batterien für seinen Gameboy kauft, als Du Deine neue Handgurkn‘ ausgefolgt kriegst fragt, ob Du eh‘ weißt wie man es generiert und initialisiert. Und Du schaust ihn entgeistert an und fragst: „wer ....‘iert, was irrt?....“ Und er antwortet lapidar: „ Na die Anrufprofile, die Infrarotschnittstelle und die WAP-Dienste!“ Dann kriegst‘ zu allem Überfluß vom Bosch-Verkäufer ein kleines Kuvert überreicht, zu dem er grinsend sagt, dass Du’s nicht verlieren sollst, es ist da nämlich Deine SIM-Karte und der PIN-Code drinnen. Spätestens da weißt Du, dass Dein Handy viel wiffer ist, als Du es jemals werden kannst. Daraufhin gehst in den Beserlpark und bittest die dort versammelten Kids, Dein Handy in Betrieb zu nehmen. So ähnlich ist es mir kürzlich ergangen, ohne Schmäh.



Dergestalt niedergeschlagen und von Selbstzweifeln gepeinigt, in emotionalem Ungleichgewicht mich befindend, kommt der Helmuth Baier vorbei und will mich aufheitern: Er schlägt mir einen Vergleichstest zwischen 220 S Ponton Cabrio und CLK Cabrio vor. Sag‘ ich, vom kürzlich erlebten noch etwas gereizt: „Da kannst gleich das ausrangierte Fräulein vom Amt mit mein‘ neuen Handy vergleichen!“



Wir pilgern also mit Helmuths „Fräulein vom Amt“, bei wundervollem Sonnenschein zum Wiesenthal um das neue Handy zu testen. Und ich sag’s gleich: ich hab’s nicht mal aufdrehen können, schon war‘s hin‘. Und der Herr Petroij hat wegen mir, einen total entspannten Freitag vormittag gehabt. Aber ich erzähl Dir die Gschicht‘ von Anfang an:



Wie gesagt, wir sind zum Wiesenthal, weil der Herr Petroij hat das Unmögliche möglich gemacht und uns aus dem Fuhrpark an einem Freitag vormittag einen neuen CLK 200 Kompressor Avantgarde mit vollleder-bicolor Interieur zur Verfügung gestellt. Ganz ohne Fahrbefehl und Papierkrieg drückt er mir den Schlüssel mit den Worten „Seid‘s in einer Stund‘ wieder da“ in die Hand. Während die Anderen das völlig zugeparkte Auto ausschaufeln, setz‘ ich mich schon einmal rein.... „i schau‘ nur“... sozusagen. Natürlich nicht ins Owners‘ Manual, sondern was das rote Knöpferl fürs Verdeck kann. Entriegeln und dann „drück“....



Langer Rede kurzer Sinn: ich war die Fehlfunktion in diesem Verdeckmechanismus, denn es blieb kurz nach der letzten Verbeugung, sozusagen im Abgang von der Bühne, in unnatürlicher Haltung stehen und rührte sich nicht mehr. Dann hab ich‘s studiert das Manual (hätte dem „halbautomatischen“ Verdeck einen kleinen Klaps mit auf den Weg geben sollen) und der Herr Petroij hat dann einen vom Ötzi gemordeten CLK wieder frisch initialisiert, weil das Auto für einen Promi bestellt war, für den Nachmittag.



Gegen die Komplexität dieses Verdeck-surr-klapp-di-wupp (alle 4 Seitenfenster von selbst runter – Verdeckhaltebügel im Heck entriegelt - Verdeckbügel im Heck senkrecht nach oben – beide Ohrwascheln der Verdeckklappe schwenken vor – Verdeckklappe klappt nach hinten – Verdeck faltet sich in den Verdeckkasten – Klappe zu – Fenster rauf) ist das Einstellen einer 300 SL Benzineinspritzung heiße Luft in einer Baumgruppe, vulgo: a Schaas im Woid!



Du wirst’s nicht glauben, nach der Stund‘ wo wir hätten fahren dürfen, war sich das Auto wieder all seiner kognitiven und mechanischen Fähigkeiten bewußt und als Tüpferl auf dem i haben wir noch eine halbe Stunde Probefahrt herausgerissen (Promi hat zu warten, weil Ötzi und Präsi müssen testen).



Gleich vorweg: dieses Cabrio klappert einfach nie. Jetzt frag‘ nicht welches, alle zwei nie nicht! Der CLK ist ein junges, fesches, 17jähriges Madl; schlank und rank, drahtig und sportlich. Geht aber wie ein Großer und ich wünsch mir von Herzen, dass der CLK ein Klassiker wird! Die Verarbeitung ist tadellos, das Leder vom Feinsten, nichts wirkt billig, nicht einmal das Plastik. So offen und es zieht trotzdem nicht. Die Mechanik ist beim Fahren gar nicht spürbar und weit entfernt vom Schlage harter moderner Sportwagenrappelkisten, die jeder Spurrinne nachlaufen. Das Auto fährt sich komfortabel ohne labbrig zu sein und hinreichend direkt ohne nervös zu sein. Eigentlich unbeschreiblich perfekt.



Das Ponton-Cabrio – üppige Dame, elegant und distinguiert wie die Loren. Dem Ponton merkt man die Jahre natürlich auch beim Fahren an. Die Bedienkräfte sind viel höher als beim CLK, aber die Mechanik ist genauso leise. Der Motor entwickelt nicht nur ebensowenig Geräusch wie der des CLK, er hat zudem auch noch eine ganz ähnlich gute Drehmoment-Charakteristik, ganz ohne Bits und Bytes. Verarbeitung tadellos, was sonst: schwere, dick gepolsterte Leder-Fauteuils und alles handmade. Armaturen- und Fenstereinfassung aus Holz, sonst überall Leder, aber was erzähl‘ ich Dir! Charismatischerer Auftritt als der CLK, weil die Ruhe der Formgebung dem Auto auch heute noch zu einem überlegenen Gesamterscheinungsbild verhilft.



Trotzdem möcht auch ich gern ein CLK Cabrio in meiner Garage haben, aber ich hoffe, dass es der Herr Petroij die nächsten 40 Jahre gesund und geduldig bleibt, dann brauch‘ ich nicht das Owners Manual zu lesen!



Alles Gute,

Dein Jellinek.

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