Sie haben Ihre Änderungen noch nicht gespeichert!

Der Clubausweis MB ClubCard

Die ClubCard ermöglicht u.a. freien Eintritt in das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart und berechtigt zahlreiche weitere Serviceangebote in Anspruch zu nehmen. Besonders hervorzuheben sind das kostenlose Mercedes-Benz Classic-Magazin-Abo Ersatzteilrabatte etc.

Diese Vorteile genießen Sie nur als Mitglied eines Mercedes-Benz Markenclubs!

Online-Nachschlagewerk

Ein digitales Nachschlagewerk entsteht auf wiki.mercedes-benz-clubs.com.

Allgemeine technische Informationen und eine Literaturübersicht zu allen Klassikern sind beispielsweise online.

Ersatzteil-Portal

Im Ersatzteilportal können Sie nach Teilenummern & Schlagwörtern suchen.

Zudem gibt es Tipps & Tricks rund um das Thema "Mercedes-Benz Classic Originalteile". Bitte klicken Sie hier.

Fotos: DaimlerAG

Mit dem privaten Mercedes 219 und einem Sack Kartoffel im Kofferaum begann die Motorsport-Karriere des Eugen Böhringer.

Wolfgang Gruber schreibt über EB: Er war halt einer der Pfundskerle der hohen Zeit der großen Freundschaften und wenn ich sie mit den heutigen

Mit dem privaten Mercedes 219 und einem Sack Kartoffel im Kofferaum begann die Motorsport-Karriere des Eugen Böhringer. Wolfgang Gruber schreibt über EB: Er war halt einer der Pfundskerle der hohen Zeit der großen Freundschaften und wenn ich sie mit den heutigen "Sportlern", nein, Profis vergleiche, dann waren es halt noch Menschen, mit unglaublichem Willen, die mit dem Einsatz ihres Lebens bewunderte Helden waren und darüber hinaus natürlichen Humor hatten.

Am Weg zum Sieg: Eugen Böhringer und Co-Pilot Klaus Kaiser. Von Belgien bis in den Balkan teils auf Schotterpisten über 5.500 km in einem Zug über 80 Stunden im Renntempo quer durch Europa!

Am Weg zum Sieg: Eugen Böhringer und Co-Pilot Klaus Kaiser. Von Belgien bis in den Balkan teils auf Schotterpisten über 5.500 km in einem Zug über 80 Stunden im Renntempo quer durch Europa!

Vor genau 50 Jahren: Sieg mit dem 230 SL. Zwischen den Sonderprüfungen fuhr Klaus Kaiser und Eugen Böhringer schlief auf dem Beifahrersitz!

Vor genau 50 Jahren: Sieg mit dem 230 SL. Zwischen den Sonderprüfungen fuhr Klaus Kaiser und Eugen Böhringer schlief auf dem Beifahrersitz!

1964 Großer Straßenpreis von Argentinien: war die Taube der Grund für den Überschlag? Eugen Böhringer lüftete das Geheimnis erst zum 85er.

1964 Großer Straßenpreis von Argentinien: war die Taube der Grund für den Überschlag? Eugen Böhringer lüftete das Geheimnis erst zum 85er.

Eugen Böringer zum 90. Geburtstag inmitten seiner Weggefährten bzw. Freunde:von li. nach re.: Dr. Peter Lang, Rolf Moll, Eugen Böhringer, Rolf Knoll, Klaus Kaiser, Eberhard Mahle, Ewy Baronin von Korff-Rosqvist, Hans Herrmann, Herbert Linge und Dieter Glemser.

Eugen Böringer zum 90. Geburtstag inmitten seiner Weggefährten bzw. Freunde:von li. nach re.: Dr. Peter Lang, Rolf Moll, Eugen Böhringer, Rolf Knoll, Klaus Kaiser, Eberhard Mahle, Ewy Baronin von Korff-Rosqvist, Hans Herrmann, Herbert Linge und Dieter Glemser.

24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps am 25./26. Juli 1964. Eugen Böhringer fuhr auf Mercedes-Benz Typ 300 SE (Baureihe W 112, Startnummer 100) mit 177,296 km/h die schnellste Runde des Rennens. Das Bild zeigt einen Reifenwechsel vor der Mercedes-Benz-Box, bevor das Team Eugen Böhringer / Dieter Glemser wegen eines Radnabendefekts vorne links 35 Minuten vor dem Schluss des Rennens aufgeben musste.

24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps am 25./26. Juli 1964. Eugen Böhringer fuhr auf Mercedes-Benz Typ 300 SE (Baureihe W 112, Startnummer 100) mit 177,296 km/h die schnellste Runde des Rennens. Das Bild zeigt einen Reifenwechsel vor der Mercedes-Benz-Box, bevor das Team Eugen Böhringer / Dieter Glemser wegen eines Radnabendefekts vorne links 35 Minuten vor dem Schluss des Rennens aufgeben musste.

XXI. Internationale Polen-Rallye vom 3. bis 6. August 1961. Das Siegerteam Eugen Böhringer / Rauno Aaltonen (Startnummer 63) mit einem Mercedes-Benz Typ 220 SE (Baureihe W 111) Tourenwagen.

XXI. Internationale Polen-Rallye vom 3. bis 6. August 1961. Das Siegerteam Eugen Böhringer / Rauno Aaltonen (Startnummer 63) mit einem Mercedes-Benz Typ 220 SE (Baureihe W 111) Tourenwagen.

XXIX. Rallye Monte Carlo, 18. bis 24. Januar 1960. Das Fahrerteam Eugen Böhringer / Hermann Socher belegten mit einem Mercedes-Benz Typ 220 SE Tourenwagen den 2. Platz.

XXIX. Rallye Monte Carlo, 18. bis 24. Januar 1960. Das Fahrerteam Eugen Böhringer / Hermann Socher belegten mit einem Mercedes-Benz Typ 220 SE Tourenwagen den 2. Platz.

XI. Rallye Akropolis vom 16.- 19. Mai 1963. Das Siegerteam im Gesamtklassement und in der Klasse: Eugen Böhringer / Rolf Knoll (Startnummer 41) mit einem Mercedes-Benz Typ 300 SE Tourenwagen.

XI. Rallye Akropolis vom 16.- 19. Mai 1963. Das Siegerteam im Gesamtklassement und in der Klasse: Eugen Böhringer / Rolf Knoll (Startnummer 41) mit einem Mercedes-Benz Typ 300 SE Tourenwagen.

Großer Straßenpreis von Argentinien, 1963. Eugen Böhringer und Klaus Kaiser heben nach einer Bodenwelle mit Ihrem Mercedes-Benz 300 SE ab

Großer Straßenpreis von Argentinien, 1963. Eugen Böhringer und Klaus Kaiser heben nach einer Bodenwelle mit Ihrem Mercedes-Benz 300 SE ab

Eugen Böhringer unterwegs in der Replica des Siegerwagens von 1963

Eugen Böhringer unterwegs in der Replica des Siegerwagens von 1963

Eugen Böhringer 1922 - 2013

Ein ganz persönlicher Nachruf von Helmuth Baier

 

Fast zwanzig Jahre ist es her: ein kleiner Ausflug nach Deutschland mit Freund Manfred Schmid. Ein paar Ersatzteile einsammeln, Besuch bei Freunden, auch im Mercedes-Benz Classic Center. Irgendwann, am späten Nachmittag, der Gedanke ein Quartier suchen zu müssen.

Stephan Bornert: „Warum übernachtet ihr nicht beim Böhringer?!“

Wir: „Wie, was, wer, Böhringer, DER Böhringer???“

Stephan: „Der hat doch das Hotel am Rotenberg!“

Die körpereigene Festplatte kratzt rasch zusammen, Alles, was sich auf die Schnelle finden lässt:

Eugen Böhringer, legendärer Rallyemeister, in den Jahren 1958 bis 1965 unterwegs und siegreich auf allen Rallyepisten und Rundkursen dieser Welt in den Mercedes-Modellen 219 „Ponton“, 230 SL „Pagode“, 220SE/300SE „Heckflosse“ sowie im Porsche 904.

Wir erfahren, dass Eugen Böhringer im Hauptberuf Koch, Hotelier, Gastronom ist und dass es in Rotenberg, dem eigentlich besten Platz Stuttgarts, ein Hotel gibt, das mittlerweile die älteste Tochter Beate führt.

 

Wir finden gleich hin, ist ja nicht weit vom Classic Center, und sind auf Anhieb fasziniert:

Eine unglaublich tolle Lage, mitten in den Weinbergen, traumhafter Blick auf Stuttgart. Und das Haus eine lupenreine Zeitreise: Türe öffnen und eintreten gleicht dem Aufschlagen einer Ausgabe von „Schöner Wohnen“ aus 1960. Damals höchst geschmackvoll, dezent modisch erbaut und eingerichtet, blieb das gesamte Interieur und Exterieur unverändert und dennoch in makellosem Zustand. Das Entree, die Rezeption, Frühstücksbereich, die Zimmer – Sixties pur.

Und dieses kleine Hotel hat eine große Geschichte. Topographisch sehr nahe gelegen zum Werk Untertürkheim, gingen dort in den 50er bis 80er Jahren die Daimler Vorstände, Direktoren und deren Gäste sehr häufig ein und aus. Man kann die Phantasie ein wenig spielen lassen und sich ausmalen, was in der damals sicher sehr stylishen und heute perfekt erhaltenen Bar so Alles besprochen und entschieden wurde…

Ungläubig und sprachlos taumeln wir den Hügel hinab zur nächsten Besenwirtschaft vulgo Heurigen, erfahren zwischendurch, dass wir das Glück haben, am nächsten Morgen den Chef sprechen zu dürfen und trinken trotz dieser fantastischen Aussicht – oder gerade deswegen – ein Gläschen zu viel.

Oder auch zwei.

 

Am nächsten Morgen fühle ich mich nicht ganz so wie ich es gern gehabt hätte und sage zu Manfred: „Du musst Dir gescheite Fragen ausdenken, keine faden, der ist doch schon x-mal interviewt worden!“

Kaum zu Ende gesprochen, geschweige denn gedacht, erscheint der Meister auf der Terrasse des oberhalb des Hotels gelegenen privaten Bereichs; das Kopfzerbrechen war unnötig. Der Begrüßungssatz „Grüß Gott Herr Böhringer, wir sind die Gäste aus Wien; und ich habe zu hause eine Heckfl…“ verpufft.

Dieses Stichwort genügte, es folgte ein Monolog, ausgehend von „…losse“, einige Abenteuer mit diesem Auto, der legendäre 52-Meter-Sprung bei der Argentinien-Rallye, bei dem die Bodenplatte des Autos fotografiert werden konnte, die Anfänge mit dem 219, noch davor eine Alfa Giulia, technische Details, die Jungfernfahrt der Pagode (in Eugens Worten „das kleine Scheisserle“).

Und plötzlich, kaum waren wir fünf Minuten gesessen, war es Mittag geworden….

Als gelernter Koch hat man um diese Zeit natürlich familiäre Verpflichtungen, Frau, vier Töchter und drei Enkel müssen versorgt werden.

Einige Autogramme, eine überaus herzliche Verabschiedung, wir waren restlos begeistert von diesem quirligen über siebzigjährigen Energiebündel.

Es folgte die logische Konsequenz. Wann immer es etwas in Stuttgart oder Umgebung zu tun gab -  – und das kommt bei Mercedes-Freaks bald einmal vor – wohnten wir im Rotenberg Hotel. Es entwickelte sich gute Bekanntschaft, Freundschaft.

 

Dann die Mercedes-Benz Classic Days 2000. Eine fantastische Veranstaltung am und um den Salzburgring, organisiert von Mercedes-Benz Classic. Unter den vielen Teilnehmern aus aller Welt auch die Altstars der Rennszene, Ewy Rosquist, Hans Herrmann, Jochen Mass, John Surtees,…und Eugen.

Unvergesslich der Moment, als er die rekonstruierte Rennpagode 230 SL quer aus dem Doppel-S vor Start / Ziel herausschob, über alle vier Räder. Die schreckgeweiteten Augen in den blassen Gesichtern der MB-Boxencrew vergesse ich nie!

 

Dann hatte ich am Abschlussabend eine spontane Idee und sprach eine Einladung aus. 

Die noch spontanere Zusage Böhringers uns tatsächlich in Wien besuchen zu wollen, raubte mir dann kurzfristig den Atem, war doch bekannt, dass Eugen Böhringer in seinem Leben genug gereist war und solche Einladungen meist ausschlug. Es war wohl der Liebreiz der bezaubernden Stadt Wien.

Also los ans organisieren und im April 2001 dann tatsächlich ein Besuch des Meisters in Wien, begleitet von Tochter Beate, die meistens mit ihm reiste, da seine Frau immer schon die weiten und nahen Reisen eher ablehnte.

Nebst dem Pflichtprogramm von Schönbrunn über Fiakerfahrt, Schatzkammer, Heurigen und Wachau gab es eine Podiumsdiskussion in den Räumlichkeiten der Firma Wiesenthal, begleitet vom damaligen Prokuristen und Pressesprecher MBÖ, Wolfgang Gruber, seines Zeichens außerdem langjähriger Freund Eugen Böhringers und hochprofessioneller Motorsportfotograf, sowie Prof. Ernst Fiala, einstiger Wegbegleiter Eugens.

Alle damaligen Gäste sind wohl auch heute noch begeistert von dieser Veranstaltung…

 

Im Anschluß wurde der Kontakt noch freundschaftlicher, privater. Viele Besuche am Rotenberg, Einblicke ins private Archiv, in Fotoalben die außerhalb der Familie noch niemand sah. Daraus resultierend unter Anderem ein sehr persönlicher Kalender zum 85. Geburtstag 2007.

 

Viele viele legendäre Abende in der ehemaligen Gaststube des Restaurants, mittlerweile umgewandelt in Tochter Mercedes` Wohnzimmer. Eine riesige Glasscheibe, freier Blick auf Stuttgart, in der Mitte des Bildes der sich drehende Stern am Dach des Werks Untertürkheim. Von Freund Manfred liebevoll  „Das Stuttgarter Aquarium“ getauft.

Was haben wir dort für unvergeßliche Abende erlebt!

Ein kleiner Aperitiv mit Beate, Mercedes. Wenn dann der Chef erschien, in seinem typischen, durch eine Kriegsverletzung bedingten Gang, ein Henkelglas mit einem Viertele in der Hand, dieses heftig auf den Tisch setzte und meinte „Heit wirds spät“, dann sollte er IMMER recht behalten. Vor drei oder vier Uhr in der Früh gabs dann kein Zubettgehen, und das keineswegs nüchtern.

 

Im Lauf der Zeit ließ er all seine legendären Erlebnisse Revue passieren, und wir lauschten ergriffen, wissend, dass in der Vitrine im Nebenzimmer, der ehemaligen Bar der Gaststätte, die dazu passenden Pokale zu besichtigen waren.

Und was waren das für atemberaubende Erlebnisse; die nüchterne Aufzählung der Siege und Platzierungen wird dem Erlebten wohl nicht annähernd gerecht. Ausgehend von den ersten Erfolgen 1958 und 1959 kam die Karriere dann mit dem Engagement in das Daimler Werksteam so richtig in Schwung.

Höhepunkt war sicher die Rallye-Europameisterschaft 1962 eine Weltmeisterschaft gab es damals noch nicht sowie einige spektakuläre Einzelerfolge. So zum Beispiel die Argentinienrallye ein Blick in die originalen Auswertungen zeigt, dass beispielsweise eine 400-km-Etappe in nicht viel mehr als zwei Stunden absolviert wurde. Mit einem 300 SE. Die Schnittgeschwindigkeit ist nicht allzu schwer zu errechnen…

Oder die Spa-Sofia-Lüttich 1963, in deren Rahmen das kleine Scheisserle der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. 90 Stunden nonstop quer durch Europa, eine Stunde Pause in Sofia, 5.500 km auf Straßen, die zur damaligen Zeit diese Bezeichnung kaum verdienten. Es ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar was Eugen Böhringer und Beifahrer Klaus Kaiser da leisteten, und doch konnte ich mir, genährt durch die vielen plastischen Schilderungen, so nach und nach ein Bild davon machen.

 

Im Rahmen der von mir organisierten Clubreisen wurde auch nicht so vertrauten Personen der Zutritt in diese fantastische Atmosphäre gewährt, Eugen Böhringer begleitet von ehemaligen Weggefährten wie Eberhard Mahle oder Klaus Kaiser.

 

Dann der große Schnitt.

Das Hotel war so richtig unrentabel geworden, das Grundstück konnte gut veräußert werden.

Ein Drama für uns, mussten wir doch nach den traditionell feuchtfröhlichen Abenden heimfahren statt bloß ins Zimmer zu torkeln.

 

Der nächste Schnitt.

Unsere liebe Freundin Beate erkrankte unheilbar, verstarb viel zu früh. Ihre Rolle als Kontaktperson zu Eugen übernahm Tochter Mercedes, die nächste wunderbare Freundschaft.

Inzwischen war Eugen hochbetagt, hatte mit vielen gesundheitlichen Problemen zu tun. Jedoch verlor er nie seine Energie, seinen Lebensmut, und weiterhin war jeder Besuch ein Erlebnis, immer wieder gab es neue Geschichten und Anekdoten. Einmal mehr der klassische und heiß ersehnte Spruch von Mercedes: „der Vater erwartet Euch heute zum Besuch.“

Höhepunkt und – fast – Abschluß dieser langen faszinierenden Freundschaft war dann der Besuch letzten Sommer, schon nach dem 90. Geburtstag. Und er hatte tatsächlich immer eine gigantische Menge an Maultaschen (die geniale schwäbische Spezialität) für uns produziert, fotografisch dokumentiert.

Wir fühlten uns geehrt, waren gerührt.

Und waren glücklich, im darauf folgenden Winter den bereits obligatorischen Besuch zum 91. Geburtstag abstatten zu dürfen.

 

Leider wird es im heurigen Sommer keine Maultaschen geben.

Zumindest nicht von Eugen.

 

Lieber Eugen Böhringer, die Freunde aus Wien danken Dir für die wunderbare Zeit!

  • Seitenanfang
  • Drucken
  • Empfehlen
  • Favoriten
  • RSS