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Fotos: DaimlerAG / Wolf

große Rundinstrumente, viel Holz, Leder und perfekte Verarbeitung ab Werk in den 4-Sitzigen S-Klasse Coupés und Cabriolets ab 1962

große Rundinstrumente, viel Holz, Leder und perfekte Verarbeitung ab Werk in den 4-Sitzigen S-Klasse Coupés und Cabriolets ab 1962

W111 Cabriolet nach alter Sitte wäre es als Cabriolet B zu bezeichen - 2 Türen - 4 Seitenfenster

W111 Cabriolet nach alter Sitte wäre es als Cabriolet B zu bezeichen - 2 Türen - 4 Seitenfenster

220 SE Coupé - für viele der eleganteste Mercedes

220 SE Coupé - für viele der eleganteste Mercedes

Luxuriöses Extra ab Werk: Maßgeschneidertes Kofferset.

Luxuriöses Extra ab Werk: Maßgeschneidertes Kofferset.

Ab 1968 mit dem V8: 280 SE 3,5 Liter Coupé auf der Einfahrbahn in Stuttgart

Ab 1968 mit dem V8: 280 SE 3,5 Liter Coupé auf der Einfahrbahn in Stuttgart

Der Hochkühler mit rundlichen Scheinwerfern...

Der Hochkühler mit rundlichen Scheinwerfern...

...im Vergeich zum Flachkühler mit Gummi-Stossleisten.

...im Vergeich zum Flachkühler mit Gummi-Stossleisten.

Seltener Anblick: 280 SE Coupé mit Lenkradschaltung

Seltener Anblick: 280 SE Coupé mit Lenkradschaltung

Die Berühmte C-Säule, die am CL-Coupé von Bruno Sacco zitiert wurde.

Die Berühmte C-Säule, die am CL-Coupé von Bruno Sacco zitiert wurde.

280 SE Cabriolet mit Hochkühler und Stossstangen ohne Gummileiste.

280 SE Cabriolet mit Hochkühler und Stossstangen ohne Gummileiste.

Der legitime Nachfolger W 111 Cabrios ist der offene W 124, wenn auch keine S-Klasse.

Der legitime Nachfolger W 111 Cabrios ist der offene W 124, wenn auch keine S-Klasse.

Eine ebenso elegante Erscheinung....

Eine ebenso elegante Erscheinung....

MODELLPROFIL W 111 / 112Cabrio und Coupé

220 SE, 250 SE, 300 SE, 280 SE und 280 SE 3,5 (1961 - 1972)

Text: Axel Wolf 

Die Coupé-Version des 1959 vorgestellten 220 SE ließ eineinhalb Jahre auf sich warten, das Derivat der W 111-Limousine wurde erst im März 1961 der Presse vorgeführt. Das 220 SE Cabriolet konnte erstmals anlässlich der lAA im September desselben Jahres bewundert werden.

 

 

Anders als bei den Copé und Cabrio-Ablegern der Ponton-Limousine wurde die Bodengruppe des W 111 in der Länge nicht gekürzt, man plante nämlich von vornherein ein vier- bis fünfsitziges und 2-türiges Coupe bzw. .Cabrio herauszubringen. Auch der Innenraum blieb in den Abmessungen fast unverändert, beim Coupé war der Kofferraum bis auf die Höhe genauso groß wie in der Limousine.

 

Im Gegensatz zu den Limousinen waren die zweitürigen Ablerger von Anfang an mit Scheibenbremsen an der Vorderachse ausgerüstet, der Rest der Technik war identisch mit den in der Limousine eingebauten Aggregaten, auch Motor und Getriebe stammten aus der Flosse. Bei der Technik machte Mercedes-Benz besonders intensiv vom Baukastenprinzip Gebrauch, allerdings wurden Coupé und Cabrio immer nur mit den jeweiligen Einspritzmotoren aus den Limousinen ausgestattet.

 

Am Beginn der langen Bauzeit stand - wie gesagt - das 220 SE Coupé, das in seiner äußeren Erscheinung durchaus als eine der gelungensten Kreationen von Mercedes bezeichnet werden kann; viele halten es überhaupt für den Höhepunkt des Mercedes-Designs schlechthin.

 

Bereits auf den ersten Entwürfen aus dem Jahr 1958 waren die Flossen verschwunden, an deren Stelle fand man eine modernere Lösung mit eleganteren Rundungen, die fortan das Heck formschön und ruhiger als das der Limousine wirken ließen. Das Coupé wurde insgesamt harmonischer gestaltet, es geriet sogar eine Spur länger und breiter, dafür niedriger als der Viertürer und auf den damals modernen Hüftschwung konnte man angesichts dieser formalen Harmonie getrost verzichten.

 

Die Panorama-Heckscheibe und die charakteristische Form der C-Säule sah man bereits beim 300 S- Coupé von Pininfarina, einer Sonderanfertigung von 1956. Dieses Stilelement kam aber erst so richtig beim W 111- Coupé zur Geltung und erlaubt heute, wie auch die Panorama-Windschutzscheibe mit ihren kniefeindlichen Ecken, eine eindeutige Zuordnung des Karosserie-Konzeptes in die Zeit der End-fünfziger. Da man beim Coupé auf eine B-Säule verzichtete, mussten der Rahmen der Windschutzscheibe, sowie die C-Säule und die Schweller verstärkt werden. Das Cabrio erhielt zusätzlich einen verstärkten Kardantunnel, der übrigens auch von unten aus Stabilitäts- Gründen mit Blech verschlossen wurde.

 

Die Techniker gaben sich erfolgreich große Mühe, damit sich die große Cabrio-Karosserie nicht verwindete wie ein Schuhkarton ohne Deckel. Das Cabrio hatte im Gegensatz zum 190 SL und 300 SL Roadster, die mit einem "Fetzendachl" auskommen mussten, ein dickes, mehrlagiges Stoffverdeck, das allerdings auch im Winter nicht durch ein Hardtop ersetzt werden konnte. Trotz allen Aufwandes sollte das Verdeck mühelos von einer Person zu öffnen bzw. .zu schließen sein, an eine Lösung mit automatischen Verdeckmechanismus wie sie zu der Zeit in einigen amerikanischen Cabrios angeboten wurde, dachte damals niemand, sie erscheint eigentlich auch heute nicht notwendig.

 

Um das aufwendige Verdeck unterbringen zu können, wurde ein Verdeckkasten eingebaut, worunter natürlich das Volumen des Kofferraums etwas leidete und auch der Kofferraumdeckel wurde etwas gekürzt. Im Gegensatz zum Dach bot man für das Getriebe eine automatisierte Lösung an, die zwar in unserem Breiten als "unsportlich " galt, aber trotzdem im Zusammenspiel mit dem seidenweichen 120 PS-Sechszylinder sehr gut zur Charakteristik der großen Coupés und Cabrios passte. Das aus der Limousine übernommene Fahrwerk wurde in der Einstellung überarbeitet, blieb aber sonst gleich und unterstreicht mit dem gebotenen Komfort den "Grand-Tourisme"-Anspruch der W 111 Coupés und Cabrios.

 

Nach nur einem Jahr wurde den beiden 220 SE-Modellen eine Variante mit dem 3-Liter Alu- Motor zur Seite gestellt, Werksintern wie die entsprechende Limousine W 112 genannt. Wie diese unterscheiden sich auch 300 SE Coupés und Cabrio von der 220 SE-Basis hauptsächlich durch den aufwendigen Alu-Motor, der es anfangs mit der auch im 220 SE verwendeten Zweistempeleinspritzpumpe auf 160 PS brachte. Ab Jänner 1964 gab es dann die Sechsstempeleinspritzpumpe, die 170 PS aus dem Aggregat holte, allerdings nicht lange - wie böse Zungen behaupten - weil dieser Motor nie die Mercedes-typischen hohen Kilometerleistungen erreichte; dafür war er für damalige Verhältnisse vielleicht zu ausgereizt.

 

Ein serienmäßiges Automaticgetriebe in Verbindung mit der Luftfederung komplettierten das Angebot, ab 1963 wurde übrigens alternativ ein Schaltgetriebe angeboten. Außerdem konnte man zwischen mehreren Hinterachsübersetzungen wählen. 300 SE und 220 SE waren von Haus aus mit Leder und viel Holz ausgestattet, in welches auch die Instrumente gebettet wurden, die wieder die gewohnte Form hatten. Einzig das Kombiinstrument, das den Fahrer über das automobile Wohlbefinden informierte, erinnerte noch an das "Fieberthermometer" aus der Flosse. Bis auf den Hebel für die Luftfederung und die in einige 300 SE eingebauten elektrischen Fensterheber, unterscheiden sich die früheren Modelle auch im Interieur nicht voneinander, bei 220 und 300 konnte man wie damals bei Mercedes üblich zwischen Lenkrad- oder Mittelschaltung wählen. Eine durchgehende vordere Sitzbank wie in den Flossen gab es nie; allerdings wurden einige wenige Exemplare mit Einzelsitzen im Fond ausgestattet.

 

Äußerlich unterscheidet sich der W 112 durch durchgehende Chromleisten an den Flanken und dezentem Radlaufchrom vom W 111- Schwestermodell, das es als 220 SE-Coupé und Cabrio allerdings nur bis 1965 gab. Die beiden 3- Liter -Modelle wurden als einzige Vertreter der Baureihe W 112 bis 1967 mit verstärkter Hinterachse und Bremskraftregler weitergebaut. Vom bis 1965 unverändert gebauten 220 SE wurden 16.902 Stück gebaut, vom 300 SE mit 160 PS 961 Stück (= Motor-Nr. 189.985) und vom 300 SE mit 170 PS-Maschine 2166 Stück (= Motor Nr. 189.987).

 

Mit Erscheinen des Heckflossen-Nachfolgers W 108, der zunächst als 250 S und SE angeboten wurde, sollten eigentlich auch die coupes und Cabrios einen entsprechenden Nachfolger bekommen. Von diesem Vorhaben wurde aber schnell Abstand genommen, weil keine stilistisch überzeugende Alternative zum bestehenden Modell gefunden wurde; coupe und Cabrio avancierten so bereits zu Lebzeiten langsam aber sicher zu Klassikern. Mit dem 250 SE-Motor zog in den W 111 eine überarbeitete und aufgebohrte Variante des bisherigen 2,2 Liter ein, dessen Zwischenstufe als 2,3 Liter mit der Sechsstempel- Einspritzpumpe nur im SL Dienst tat. Die 2,5 Liter-Version erhielt größere Ventile, eine andere Nockenwelle und eine siebenfach gelagerte Kurbelwelle (statt der bisher nur 4-fach gelagerten) und verfugte so über mehr Drehmoment und war standfester.

 

Verglichen mit dem 220 SE stieg allerdings nicht nur die Leistung um 30 PS sondern auch der Benzin- und anfänglich auch der Ölverbrauch, dem Zweieinhalb- Liter werden sogar ungezogene Trinksitten nachgesagt. Die Produktion der 250 SE Cabrios und Coupés wurde nach 6.213 Exemplaren 1967 gleichzeitig mit der Herstellung der 300 SE-Versionen eingestellt; 250 und 300 werden wegen ihrer technischen Herkunft eher noch zur großen Heckflossenfamilie gezählt als deren Nachfolgeversionen mit W 108-Technik.

 

1967 wurde dann der 6-Zylinder-Motor völlig überarbeitet, da die bisherige M 127 (220 SE) bzw. M 129 (250 SE) genannte Konstruktion als ausgereizt betrachtet wurde, der Alu-3 Liter (M 180) wurde wegen zu hoher Produktionskosten aus dem Programm gestrichen.

 

Beide Motoren wurden im Coupé und Cabrio durch den neuen 2,8 Liter (M 130) ersetzt, dessen 6 Zylinder in gleichmäßigen Abständen angeordnet waren; bisher waren die Zylinder paarweise zusammengefasst. Auf die Wasserkanäle zwischen den Zylindern wurde verzichtet, weil man den Platz zum Vergrößern des Hubraumes benötigte. Dieses für die 70er konzipierte Aggregat wurde für den Einsatz in Coupé und Cabrio wieder mit der Sechsstempel-Einspritzpumpe ausgestattet. Fast 2 Jahre lang gab es die beiden W 111-Modelle nur als 280 SE mit 160 PS, ein 300 SE 2,8 mit dem höher verdichteten 170 PS-SL Motor wie er kurze Zeit im W 109 in Verbindung mit Luftfederung angeboten wurde, gab es in Coupé und Cabrio nicht.

  

Als 280 SE 3,5 ließ Daimler-Benz im September 1969 die Katz aus dem Sack, besser gesagt den neuen V8 in den "alten" W 111, eine Kombination, die für die Coupés und Cabrios die letzte Neuerung in der langen Modellgeschichte darstellen sollte. 280 SE und SE 3,5 erhielten flachere Rückleuchten sowie H-4 Hauptscheinwerfer und den sogenannten Flachkühler, eine etwas breitere und niedrigere Kühlermaske. Damit die Motorhaube auch zuging, mussten die vorderen Kotflügel sowie die obere Quertraverse angepasst werden, zu guter Letzt setzte man Gummilippen auf die Stoßstangen, so wurde mit wenigen Änderungen eine optische Angleichung an die /8-Serie erreicht.

 

Technisch entsprachen die beiden letzten Coupé- und Cabrio-Versionen den damals aktuellen Limousinen-Pendants der W 108-S-Klasse, so hatte der 3,5 die innenbelüfteten Scheibenbremsen aus dem 6,3. Die Kombination 6,3 Liter-Motor und Coupé oder Cabrio wurde leider nie ab Werk angeboten, man wollte damals ja (leider) nicht übertreiben.

 

Obwohl modern motorisiert und zeitlos elegant, konnte das Fahrwerk mit seinen zahlreichen Schmiernippeln und der mit der Motorleistung in Extremsituationen den ungeübten Fahrer schnell überfordernde Pendelachse Anfang der 70er nicht mehr zufrieden stellen. Da auch die Nachfrage zurückging, beschloss man im Jahr 1971 den W 111 auslaufen zu lassen. Immerhin liefen zwischen Februar 1961 und Juli 1971 insgesamt 35.931 Coupés und Cabrios der Baureihen W 111 und W 112 vom Band - das entspricht in etwa der 1963er Jahresproduktion des Typs 190 c.

 

Für das Coupé stand schon der Quasi- Nachfolger 350 SLC in den Startlöchern, der mit einem ganz anderen Konzept um die Käufergunst warb als der Vorgänger. Das Cabrio allerdings erhielt keinen direkten Nachfolger, weil sich Daimler-Benz auf die SL- Modelle fürs Offenfahren spezialisierte. Erst Nach 20 Jahren Abstinenz im Segment der großen viersitzigen Cabrios startete Mercedes-Benz sein Comeback mit den Cabrios der Baureihe W 124.

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