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MODELLPROFIL W 126

Die S-Klasse der 80er

280 S - 560 SEC (1979-1992)

Text: Axel Wolf, Fotos: Mercedes-Benz

Der 1979 präsentierte Nachfolger der 70er-Jahre S-Klasse W 116 (280 S-450 SEL 6,9) wurde W 126 genannt und war nicht nur als 4-türige Limousine - 1979 bis 1992 - , sondern auch als 2-türiges Coupé C 126, allerdings ausschließlich mit V8 Motoren von 1981 bis 1991 auf dem Markt.

 

Shortcut:

Bei diesem Modell ist der Sprung in die Automobile Neuzeit besonders deutlich, auch aufgrund der - sogar für Mercedes-Verhältnisse - langen Bauzeit. Erstmals wurde beim W 126 die aerodynamische Formgebung gewagt, ebenso der Schritt hin zu Kunstoffstoßstangen und vermehrter Elektronik im Fahrzeugbau. ABS und Airbag fanden, obwohl bereits im Vorgänger zu haben, erst im W 126 größere Verbreitung und traten von da aus den Weg in die unteren Baureihen und anderen Fahrzeugkategorien an. Elektronisches Sperrdifferenzial, Antischlupfregelung etc.. ergänzten später das Angebot. Dem Thema aktive und passive Crash- Sicherheit wurde - wie bei Mercedes-Benz üblich - besondere Aufmerksam zuteil.

 

 

Das Thema technische und optische Vorreiterrolle, wurde 1981 im Rahmen des Projekts "Auto 2000" mit den bekannten Versuchsträger mit Gasturbinen-Motor und "Aero-Umbau" vorgestellt, der einzige Prototyp (auf Basis) des W 126, der öffentlich präsentiert wurde.

 

 Integrierter Kindersitz

 

Auch die Motorenpalette der Serienfahrzeuge ist im Vergleich zu früheren S-Klassen üppig und gut gestaffelt: von 2,8l 6-Zylinder-Vergaser mit 156 PS (in den USA auch 3,0 Turbodiesel 5 Zylinder mit 125 PS) bis zum 5,6l V8 mit 300 PS und 455 Nm (ohne KAT). Wie seit den 50ern bei den S-Limousinen üblich, gibt es den W 126 mit 2 Radständen, wobei der SEL hinter der ersten Rehe um 14 cm verlängert ist, leicht zu erkennen am in Wagenfarbe lackierten Blechstreifen im Steg des hinteren Dreiecksfensters.

Optisch und technisch markant ist die Modellpflege 1985: Fahrwerksseitig gab es einen Sprung von 14-Zoll auf 15-Zoll-Räder, die mit tiefgreifenden Änderungen an den Achsen einhergingen, C-Säule und Umgebung wurden ebenfalls abgeändert, neue 6- und 8 Zylinder (alle mit KAT erhältlich) ersetzten die bisherigen Aggregate, weiters wurden die seitlichen geriffelten Blenden ab der 2. Serie glatt ausgeführt und die Stoßfänger etwas weiter nach unten gezogen. Im Innenraum einige Detailänderungen, und einige weitere Dinge wie z.B. eine andere Schiebedachmechanik.

Zu guter Letzt und Detail am Rande, ist der W 126 die letzte S-Klasse deren Typenbezeichnung nicht mit "S" beginnt, sondern mit dem Hinweis auf den Hubraum "280 SE", diese nur Historiker interessierende Umstellung begann 1993 und erscheint (mir zumindest) erst im Rückblick sinnvoll und schlüssig.

Auto 2000 (1981)

Limousine 1. Serie: 280 S-500 SEL

Coupé 2. Serie: 420/500/560 SEC

Kopf:

Ein "bestes Auto der Welt" seiner Zeit. Besonders die ruhige, zurückhaltende und schnörkellose Linie (Designchef: Bruno Sacco) kürt dieses schlank gezeichnete Modell frühzeitig zum Klassiker. Der zurückhaltende Innenraum, die intuitive Bedienbarkeit, das satte und komfortable Fahrverhalten. Für Mercedes-Oldtimer-verwöhnte ist der Wagen die Evolution der typischen - eben klassischen - Mercedes-Tugenden in die Neuzeit (böse Zungen behaupten es sei die "Plastik-Ära"):

 

Federungskomfort der mehr ist als die Luft zwischen Reifengummis und Felgen; ein Innenraum, der dem Fahrer und die Mitreisenden mit RAUM verwöhnt, Scheiben, Dachholme, Armaturenbrett sind weit weg; das Dach spendet im Sommer SCHATTEN. In der S-Klasse-Sitzen bedeutet im W 126 auf einer Kombination aus Federkern und Schaumstoff Platz zu nehmen, die meiner Meinung nach modernen nur Schaumstoff-Gestühlen in Punkto Komfort mindestens ebenbürtig ist. Diese Fauteuils überlassen es dem Besitzer zu sitzen wie er will und nicht umgekehrt. Und wie die Türen mit diesem typischen Geräusch schließen, kann man nicht beschreiben, nur davor warnen! Weil dieses Auto ist scheinbar um dieses Türgeräusch herum gebaut: wenn der Rest des Autos bereits zerfällt, schließen die Türen tresorartig und wie am ersten Tag, ohne Kraftanstrengung und eben mit diesem satten Geräusch.

Ach und noch etwas: Über den Erfolg der Elektronik im Automobilbau bzw. über die Notwendigkeit der möglichen Extras kann man durchaus geteilter Meinung sein, ich bin mir da ebenfalls nicht sicher, auch bei der Frage ob diese Dinge einen Klassiker auszeichnen müssen. Für mich ist das aber bei diesem Auto zweifellos der Fall, gerade die Elektronik erwies sich meines Wissens nach im W 126 als unauffällig und durchaus zuverlässig. Außerdem gibt's auch in diesem Bereich noch alle Ersatzteile (teilweise aber sehr teuer).

Erinnerungen:
Meine "automobile Prägung" begann gegen Mitte der 70er und daher hinterlies diese S-Klasse bei mir, als bereits sensibilisierten Mercedes-Jünger, einen tiefen Eindruck.

Und das kam so: Ein Bekannter meiner Eltern war (und ist) als Pianist nicht nur auf den Tasten des Instruments und beim Erzählen guter Witze, sondern auch auf der Straße besonders schnell und viel unterwegs. Er zeigte mir, weil er damals wusste, dass ich 10-jähriger autonarrisch bin, das war so ca. 1980, seine Neuerwerbung: ein funkelnder 500 SEL mit Leder und allem Pipapo. Insbesondere die elektrische Rückbank mit der Steuerung über kleine Sesselchen in der Türe hat es mir damals angetan, ebenso die geräuschlose aber umso nachdrücklichere Art mit der dieser 500 SEL die Hasenauerstraße hinaufbeschleunigt ach was sag' ich geflogen ist.

Später gab es im Bekanntenkreis W 126 in allen Varianten und Schattierungen, nur wir hatten keinen... weil "kein Frontantrieb" und "zu auffällig".... Na ja. Wenn ich mir das alles so durch den Kopf gehen lasse, muss jetzt endlich ein 500er her...

Klimaautomatik, Tempomat, Airbag, ABS, ASR, ASD..... Der Automobile Overkill nimmt mit dem W 126 seinen (schönen) Lauf...... 

 

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