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MODELLPROFIL W 15 - MB  170

1931 - 1936

Text und Fotos: DaimlerAG

Der Mercedes-Benz 170 (Baureihe W 15) debütiert genau zur richtigen Zeit: Im Oktober 1931 präsentiert das Unternehmen ihn auf dem Pariser Automobilsalon. Mit seinem innovativen Fahrwerk punktet er auf den damaligen teilweise noch recht unebenen Straßen. Außerdem ist er als vergleichsweise preisgünstiges Auto ein großer Verkaufserfolg und trägt damit wesentlich dazu bei, dass die Daimler-Benz AG die Weltwirtschaftkrise ohne größeren Schaden durchsteht.

 170 grau


Der Typ 170 ist das Werk von Hans Nibel, Chefkonstrukteur schon bei Benz & Cie. und danach technischer Direktor der Daimler-Benz AG bis zu seinem Tod im Jahr 1934. Sein Interesse gilt schon länger der unabhängigen oder achslosen Radaufhängung. Im Typ 170 ist es soweit: Sein Fahrwerk macht ihn zur Sensation. Erstmals bietet ein Auto vier einzeln aufgehängt Räder, vorne achslos an zwei querliegenden Blattfedern, hinten an je einer Halbpendelachse, deren Hüllrohre sich über je zwei Schraubenfedern auf der Radseite gegen den U-Profil-Niederrahmen abstützen und am Differential zapfengelagert sind. Diese Konstruktion vereinigt hohe Stabilität mit einem Minimum an ungefederten Massen. Sie wird zu einem Standard im Fahrwerkbau und ist Basis weiterer wegweisender Entwicklungen der Marke Mercedes-Benz.


Das innovative Fahrwerk setzt Maßstäbe: Die „Schwingachsen“, wie das Unternehmen die im Typ 170 präsentierten Erfindungen treffsicher nennt, bringen schließlich allen Automobilen von Mercedes-Benz den Ruf ein, ein komfortables und zugleich sicheres Fahrverhalten zu bieten. Damit ist der Typ 170 ein Meilenstein der Technikgeschichte.


Zugleich konstruiert Nibel den Typ 170 als kompaktes und leichtes Auto. Damit entspricht das Fahrzeug eigentlich nicht dem in den 1930er Jahren nach wie vor sehr verbreiteten Wunsch nach großen und schweren Personenwagen. Doch die Zeitumstände geben Nibels Konstruktion recht: In der Weltwirtschaftskrise sind insbesondere Autos mit einem günstigen Kaufpreis und einen geringen Treibstoffverbrauch gefragt. Der Typ 170 wird ein großer Erfolg.


Diese Eigenschaften gehen aber nicht auf Kosten der Qualität, der Ausstattung oder des Komforts. Der Typ 170 erobert sich rasch den Ruf, ein wahrer Mercedes-Benz zu sein. Er ist rundherum so gelungen, dass während der sechsjährigen Produktionsdauer keinerlei nennenswerten Änderungen an Motor oder Fahrgestell notwendig sind.

170 Motor


Den 170 beflügelt ein Sechszylinder mit einem Hubraum von 1 692 Kubikzentimeter und einer Leistung von 32 PS bei 3200/min. Er hat ein Dreigang-Schaltgetriebe mit zusätzlichem Schnellgang, ist 90 km/h schnell, braucht nur 11 Liter Benzin und ist recht vollständig ausgestattet. Öldruck-Vierradbremse, Zentralschmierung, thermostatgeregelte Kühlung und ein Zünd-Lenkschloss als Diebstahlsicherung gehören zur Serienausstattung.


Das 170er-Fahrgestell wiegt lediglich 750 Kilogramm, das fertige Fahrzeug je nach Aufbau zwischen 1 050 und 1 200 Kilogramm, das Gesamtgewicht liegt bei 1 455 Kilogramm. Den Kunden bietet das zeittypische Angebot an Karosserien reiche Wahlmöglichkeiten: Zwei- und viertürige Limousine, auf Wunsch mit Rolldach; ein Cabriolet C, viersitzig; den Tourenwagen mit zwei Türen; einen Sport-Roadster in 2+2-Sitzbauweise; ein Sport-Cabriolet A mit 2/3 Sitzen; und einen Kasten-Lieferwagen mit der Typbezeichnung L 300 und einer Nutzlast von 300 Kilogramm.


Die Frontansicht prägt bei Serienbeginn zunächst der seinerzeit typische Mercedes-Benz Flachkühler, den ab Februar 1935 der letztlich noch heute aktuelle Kühler in flacher Keilform ersetzt.

 
An Limousine und Cabriolet ist ein Stück Automobil-Entwicklungsgeschichte nachvollziehbar: Beide Varianten werden zunächst serienmäßig mit einem freistehenden Koffer am Heck geliefert, montiert in einem Abstand von rund zwei Zentimetern zur Karosserie. Schnell erweist sich, dass der schmale Raum zwischen Karosserie und Koffer kaum sauber zu halten ist. Also wird der Koffer ab 1934 ohne Zwischenraum angebaut, um sich schließlich, ab 1935, harmonisch in die Karosserie zu fügen. Der „Raum für die Koffer“ ist endlich zum selbstverständlichen Bestandteil des Aufbaus, zum „Kofferraum“ geworden.

1935 erhält der 170 eine weitere, sehr viel modernere zweitürige Limousinen-Karosserie, die schon deutliche Züge seines Nachfolgers 170 V erkennen lässt; auch das Cabriolet C wird entsprechend gestaltet. So ist das Karriereende des 170 vorgezeichnet, denn mit dem Erscheinen des 170 V im Februar 1936 ist seine Glanzzeit vorbei.

 

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